Google+

Montag, 1. Juli 2013

Der Nivea-Check

Der Nivea-Check

Wer kennt sie nicht, die schneeweiße Creme in der blauen Dose? Die klassische Nivea-Creme kam 1911 auf den Markt und läutete die Erfolgsgeschichte der wohl bekannteste Marke der Hamburger Beiersdorf AG ein: NIVEA. Mir persönlich ist die Marke Nivea ausgesprochen sympathisch, was nicht nur daran liegt, dass mir die Produkte zum Teil sehr gut gefallen. Auch das cleane Design, das maritime Drumherum und die Verbundenheit zu unser beider Heimatstadt Hamburg dürften ihren Teil dazu beitragen. 
Die ARD hat die Marke "Nivea" soeben in einer 45minütigen Reportage einem kleinen Check unterzogen, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. 

Die Erkenntnisse der Reportage

Jeder Haushalt hat mehr (~104) oder weniger (~5) Produkte von Nivea zu Hause stehen. Grund dafür dürfte sein, dass Nivea eine Art "positives Vorurteil" genießt, welches unerreichbar scheint. Dies erwecke ein blindes Vertrauen beim Verbraucher.

Mogelfaktor: beachtlich
Zwar wurde beim "diamond gloss" Shampoo von Nivea im Vergleich zu Konkurrenzprodukten tatsächlich, wie versprochen, eine Intensivierung des Glanzes festgestellt. Von Diamanten als Bestandteil des Shampoos könne jedoch keine Rede sein.
Bei den Verpackungen macht sich Nivea alle erlaubten Tricks zu nutzen und gestaltet diese möglichst groß, damit sie im Regal mehr ins Auge fallen und somit auch mehr gekauft werden.

Schutz: ordentlich
Bei einem Deo-Vergleichstest wurden kaum Unterschiede zum Konkurrenzprodukt festgestellt.
Bei der Sonnencreme konnte Nivea zum Teil bei der Anwendung punkten, war dafür aber etwas teurer. Stiftung Warentest bescheinigt jedoch auch billigen Konkurrenzprodukten eine vergleichbare oder sogar bessere Wirkung.
Ein recht eklatanter Mangel wurde bei der "pure & natural" Serie von Nivea aufgedeckt. Hier wurde zwar auf einige problematische Inhaltsstoffe verzichtet und diese Serie auch auf diesen Verzicht aufgebaut. Dass sich jedoch stattdessen der vermehrt allergieauslösende Konservierungsstoff Methylisothiazolinon darin befindet, steht lediglich im Kleingedruckten.

Schick: so la la
Nivea hat seine Sparte dekorativer Kosmetik eingestellt, um sich auf das Kerngeschäft - die Pflege - zu konzentrieren. Als männliches Werbegesicht vermittelt Jogi Löw das richtige Nivea-Feeling. Bei Männerpflege (skin energy) und Stylingprodukten (Haarspray und -gel) konnte Nivea im direkten Vergleich nicht so wirklich überzeugen.

Fairness: ausbaufähig
Die über 5.000 in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer haben einen recht guten Stand; sie werden immerhin mindestens tariflich bezahlt. Auch ein Großteil wird in heimischen Landen produziert, was heutzutage bei kaum einer deutschen Marke der Fall sein dürfte. Für Zulieferbetriebe in Schwellenländern besteht zwar ein Verhaltenskodex, der jedoch bei Leiharbeitern kaum eingehalten wird. Deren Arbeitsbedingungen wurden stark bemängelt.

Der Nivea-Check

Mein (spontanes) Fazit

Ich würde sagen, dass Nivea auch nicht mehr "mogelt" als jedes andere Kosmetik-Unternehmen. Ob flüssige Haarbausteine oder Diamanten im Shampoo; die Firmen lassen sich doch allerhand Quatsch einfallen, um ihr Produkt an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Wer hat denn ernsthaft daran geglaubt, dass da Diamanten im Shampoo sind?
Nach meinen eigenen Erfahrungen ist das Schutzniveau der Produkte von Nivea wirklich ganz ordentlich. Dass sich allerdings dieser fiese Konservierungsstoff in einer Creme befindet, die auf natürlich macht, schockiert mich dann doch. Da sieht man mal, dass ein Blick auf die INCIs wirklich nie schadet.
Ich muss schon sagen, dass ich Nivea sowieso seit jeher eher bei der "Pflege" und weniger beim "Schick sein" eingeordnet habe. Von daher finde ich es zwar schade, dass es die dekorative Kosmetik nicht mehr gibt, kann dies jedoch nachvollziehen. Ansonsten hat Nivea hier auch nach meiner Ansicht in Punkto "Schick" eher durchschnittliche Produkte.
Bezüglich der Fairness macht Nivea schon einiges besser als so manch ein Konkurrenzunternehmen, denke ich. Dass ein größeres Defizit bei den Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter in Schwellenländern besteht, ist tatsächlich noch ein Manko.

Insgesamt hat diese Reportage mein Bild von Nivea größtenteils bestätigt. Dass die Produkte sogar im Vergleich zu günstigeren Konkurrenzprodukten etwas schlechter abschneiden, war mir klar. Einige Nivea-Produkte gefallen mir aber auch im Vergleich mit der Konkurrenz richtig gut; vor allem beim Duft hat Nivea oftmals die Nase vorn. Der starke Effekt des "positiven Vorurteils" war mir zwar bewusst (wenn auch nicht mit diesem Begriff), allerdings habe ich dessen Einfluss wohl noch ein wenig unterschätzt. Von blindem Vertrauen in die Marke kann von meiner Seite jedoch keine Rede sein. Ich denke somit, dass die Reportage auf anschauliche Weise in der Kürze der Zeit ein recht realistisches Bild von Nivea präsentiert hat.

Die Reportage ist jetzt auch in der Mediathek der ARD zu finden. 

Kommentare:

  1. Von Nivea kommt mir schon lange nichts mehr ins Haus- seit ich mich intensiver mit Inhaltsstoffen in Kosmetik auseinandergesetzt hatte, kann man mich mit Nivea eher jagen...

    Liebe Grüße :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe mit der Codecheck-App mal einen Blick auf die Inhaltsstoffe einiger Nivea-Produkte geworfen, aber das sah jetzt nicht sooooooo schlimm aus. Aber das ist natürlich von Produkt zu Produkt anders. Ich achte aber ehrlich gesagt auch nicht so sehr auf die Inhaltsstoffe. Solange ein Produkt für mich gut funktioniert, rücken die Inhaltsstoffe für mich eher in den Hintergrund. Aber an sich sollte man schon genauer darauf achten und Produkte dann auch meiden.

      Löschen
  2. Bei mir ist auch nichts von nivea im Bad. Die Shampoos pflegen mir nicht genug und die Cremes für das Gesicht mag meine Haut nicht. Aber toll dass du die Reportage hier noch mal zusammen fasst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach doch, ich habe schon ein paar Nivea-Produkte bei mir rumstehen. Das sind aber fast alles Cremes (BB-Cream, getönte Tagescreme, die Creme in der blauen Dose und die Nivea Soft, ...)
      ...ach ja, und das Stress Protect Deo, das ich sogar richtig gut finde.

      Löschen

Bitte achte beim Kommentieren auf die Einhaltung der Netiquette!