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Samstag, 29. Juni 2013

Der hohe Preis für tiefe Preise



Wer mit offenen Augen und einem klaren Verstand durch die Welt geht, dürfte sich seit jeher fragen, wie manche Bekleidungsfirmen wie Primark, H&M oder KIK ihre ausgesprochen niedrigen Kampfpreise realisieren können. Spätestens seit in den Medien immer öfter über die katastrophalen Arbeitsbedingungen in Herstellungsbetrieben berichtet wird (Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesh mit über 1.000 Toten im Mai 2013), sollte auch dem Letzten ein Licht aufgegangen sein. Ein Faktor für die günstigen Preise müssen zwangläufig die billigen Herstellungskosten in sog. "Billig-Lohn-Ländern" sein. Dort arbeiten zum Teil sogar Kinder unter menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen, um Kleidung für den westlichen Markt zu produzieren. Man findet in den Geschäften kaum Kleidung, die nicht in diesen Ländern hergestellt wurde und sie ist wegen der günstigen Preise ja auch sehr verlockend.

Ist es sinnvoll nun auf günstige Mode verzichten?

Dass man solche Produktionsmethoden nicht unterstützen möchte, ist ja wohl klar. Ich frage mich jedoch, ob ich tatsächlich etwas bewirken würde, wenn ich statt der Billig-Klamotten, höherpreisige Stücke kaufe. Ich habe nämlich die Vermutung, dass man bei den teureren Sachen nicht mehr Geld für bessere Arbeitsbedingungen, sondern vielmehr für mehr Werbung, hübschere Shops und besseren Service bezahlt. Dass dadurch auch mehr Geld bei den Arbeitern ankommt, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln. Natürlich sieht man dem "Made in ... " -Schildchen die Arbeitsbedingungen nicht direkt an, aber es besteht bei billigen Produkte zumindest immer noch ein höheres Risiko dafür, dass sie unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen produziert wurden. Leider fehlt jedoch zumeist einfach die Transparenz, um dies realistisch beurteilen zu können.


Wie verhalte ich mich  nun?

Allein um mein Gewissen ein wenig zu beruhigen und zumindest die Chance auf bessere Arbeitsbedingungen zu erhöhen, würde ich mein Kaufverhalten eigentlich schon gern umstellen und vermehrt zu teurerer Kleidung greifen. Nun befinde ich mich zurzeit in der Situation, dass ich mir kaum hochpreisige Kleidung leisten kann, obwohl ich nur sehr selten neue kaufe. Von daher werde ich zumindest noch eine Weile auf günstige Klamotten angewiesen sein, um überhaupt welche im Schrank zu haben. Somit habe ich im Moment leider nicht die Möglichkeit, mein Kaufverhalten umzustellen. Sobald mir dies jedoch möglich ist, werde ich es auch tun.
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, Produkte zu finden, die nicht in diesen "Billig-Lohn-Ländern" produziert worden sind, werde ich auf jeden Fall nach ihnen Ausschau halten. Ich habe nämlich gehört, dass diese noch nicht mal so viel teurer sein sollen als die dort produzierte Kleidung. Ich werde, wie bisher eigentlich auch, bei jedem Stück gesondert auf die Qualität achten, egal ob es teuer oder billig ist. Vor allem bei Basics und klassischen Kleidungsstücken, die nicht so sehr den Trends unterworfen sind, möchte ich natürlich, dass sie möglichst lange halten. So muss ich diese zumindest nicht so oft nachkaufen; ich kann damit nicht nur Geld sparen, es können zudem die Ressourcen geschont werden.

Wie sieht die Zukunft aus?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Firmen Verantwortung für die Herstellungsbedingungen bei der Produktion ihrer Bekleidung übernehmen. Auch darf es nicht Sinn der Sache sein, diese auf Zulieferbetriebe abzuwälzen und alle Schuld von sich zu weisen. Primark postet auf Facebook in letzter Zeit vermehrt Stellungnahmen zu Hilfsmaßnahmen für die Opfer und Hinterbliebenen des eingestürzten Fabrikgebäudes in Bangladesh, in dem auch für Primark produziert wurde. H&M wirbt damit, dass bei den Stücken der "Conscious Collection" die Arbeiter über ihre Rechte aufgeklärt werden. Das sind Schritte in die richtige Richtung und ich hoffe, dass die Unternehmen dies auch aus eigenem Verantwortungsgefühl machen und nicht nur als Marketing-Strategie. Na ja, selbst wenn es nur dem Marketing dienen sollte, soll mir dies Recht sein, wenn die Arbeitsbedingungen dafür verbessert werden. Das kann jedoch nur der Anfang sein. Transparenz ist hier, wie auch bei Lebensmitteln gefordert, das große Stichwort. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tracking-Nummer, mit der man die Betriebe ausfindig machen könnte?

Wie stehst Du zu Billig-Kleidung? 

Kommentare:

  1. Ein toller Beitrag! Danke für deine gut durchdachten Worte. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du: Höherpreisiges ist momentan nicht drin und nackig gehen oder Abgetragenes auftragen eben auch nicht.

    Ich persönlich seh mich gern in Second-Hand-Läden um, vor allem in denen, die einen Teil ihrer Einnahmen spenden. Außerdem tausche ich Klamotten mit Freundinnen und meiner Schwägerin.

    Generell möchte ich aber, genau wie du, sobald es mir möglich ist, Unternehmen unterstützen, die Menschenrechte nicht mit Füßen treten.

    Liebe Grüße
    Caro

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  2. Im Grunde haben wir eine recht ähnliche Einstellung. Ich finde es falsch, dass in den Medien immer H&M, Kik & Co der schwarze Peter zugeschoben wird - dass andere Marken ihre Kleidung zu höheren Preisen verkaufen, steigert zwar theoretisch die Chance, dass auch die beteiligten Näher etc. besser bezahlt werden, aber letztendlich ist bei diesen Unternehmen mMn die Gewinnspanne meistens einfach größer oder es wird eben - wie du sagtest - in das ganze Drumherum wie Werbung, Shops, etc. gesteckt. In der im Mai eingestürzten Fabrik in Bangladesch ließ im Übrigen auch Benetton produzieren (auch wenn es in einem anderen Artikel heißt, es sei eine "einmalige Bestellung" gewesen...):

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-05/benetton-bangladesch-gebaeude

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